Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. (BVL)

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Verbraucher setzen beim Essen auf Wahlfreiheit und moderaten Wandel (LP-Fachartikel)

Eine vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. (BVLH) beauftragte repräsentative Forsa-Verbraucherumfrage zum Thema tierische und pflanzliche Erzeugnisse zeigt: Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen sich Wahlfreiheit und einen moderaten Wandel anstelle einer ideologisch aufgeladenen Debatte

Die repräsentative Forsa-Verbraucherumfrage wurde im Dezember 2025 durchgeführt. Aus den Ergebnissen der sozioökonomischen Analyse lässt sich ableiten, dass jüngere Generationen mehr pflanzliche Alternativprodukte - sogenannte plant-based alternatives (PBAs) – konsumieren sowie Frauen bewusster und weniger Fleisch essen als Männer. Insgesamt zeichnen sich die konträren Konsummuster gegensätzlicher sozioökonomischer Gruppen ab: von jung und alt, weiblich und männlich sowie für ländliche und städtische Gebiete. Diese Unterschiede sind jedoch nicht als Ausdruck einer gesellschaftlichen Polarisierung zu interpretieren. Sie veranschaulichen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher unterschiedliche Bedürfnisse haben und eine große Flexibilität innerhalb der Bandbreite von pflanzlichen über tierischen Erzeugnissen benötigen. 94 Prozent der Befragten wollen auch künftig ihre gewohnten Produkte im Lebensmitteleinzelhandel erwerben können. Dies unterstreicht die Bedeutung eines breit gefächerten Sortiments mit hoher Wahlfreiheit und verdeutlicht, wie Lebensmitteleinzelhändler die benötigte Vielfalt durch gezielte Sortimentsgestaltung sicherstellen. Die häufig deskriptiv geführte politische Auseinandersetzung rund um Ernährung polarisiert stärker, als es das tatsächliche Konsumverhalten widerspiegelt. 

Ernährungsentscheidungen unter individueller Präferenz und Alltagstauglichkeit

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist die geringe moralische Aufladung der tatsächlichen Kaufentscheidungen. 52 Prozent der Befragten bezeichnen sich als omnivor, 38 Prozent als flexitarisch, vier Prozent als vegetarisch und zwei Prozent als vegan. Tierische und pflanzliche Erzeugnisse gehen im Ernährungskontext Hand in Hand und widersprechen somit der Annahme einer zunehmend moralisch geprägten Ernährungsentscheidung. Bei der Auswahl von Lebensmitteln stehen Qualitätskriterien im Vordergrund. Als sehr wichtig gaben 79 Prozent Geschmack und 55 Prozent Frische als dominierende Entscheidungsfaktoren an, welche im Alltag für die Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch auch an Bezahlbarkeit geknüpft sind. Für 24 Prozent der Befragten ist ein günstiger Preis aktuell und mit 32 Prozent auch im zukünftigen Angebot des Lebensmitteleinzelhandels ein sehr wichtiger Aspekt bei der Auswahl von Lebensmitteln. Ebenso spielt die Kennzeichnung von Produkten für insgesamt 56 Prozent der Befragten eine sehr und eher wichtige Rolle bei der Orientierung, welcher der Handel unter anderem mit der Präsentation des Nutri-Scores oder der Haltungsform auf seinen Eigenmarken nachkommt. Diese Wahl der Aspekte, auf die es beim Lebensmittelkauf ankommt, deutet auf den Wunsch nach umsetzbarer, mündiger und individueller Konsumfreiheit hin mit Pragmatismus und sensorischen Aspekten als primäre Entscheidungsträger.

Beziehung zwischen tierischen und pflanzlichen Erzeugnissen 

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass Fleisch ein relevanter Bestandteil der Ernährung ist und weiterhin bleiben wird. Unter diesem Aspekt zeigt sich im Bereich des Tierwohls Entwicklungspotenzial. 40 Prozent der Befragten geben an, künftig stärker auf tierwohlorientierte Haltung oder Bio-Qualität achten zu wollen. Während derzeit nur 12 Prozent Bio-Qualität als wichtiges Auswahlkriterium nennen, berücksichtigen bereits 39 Prozent Tierwohl bei der Kaufentscheidung. Unter Einbezug des erwähnten Preisbewusstseins verweist dieses Spannungsfeld zwischen Anspruch und Praxis auf die Bedeutung schrittweiser, praktikabler Ansätze. Modelle wie die Initiative Tierwohl (ITW) zeigen, wie Fortschritt gelingen kann: Sie nehmen Landwirtschaft sowie Verbraucherinnen und Verbraucher gleichermaßen mit, verbessern Tierwohlstandards schrittweise und vermeiden gleichzeitig starke Preissteigerungen. Damit steht die ITW exemplarisch für einen praktikablen Weg zwischen Anspruch und Alltag.

Ein grundlegender Trend zur Substitution tierischer Produkte durch PBAs lässt sich aus der Umfrage nicht ableiten. Lediglich sieben Prozent der Befragten geben an, tierische Produkte künftig häufiger oder vollständig durch PBAs ersetzen zu wollen. Der Konsum pflanzlicher Alternativen variiert zudem stark nach Produktkategorie und Nutzungssituation. Während insbesondere bei Wurst- und Fleischprodukten eine Substitution besser umsetzbar ist, bestehen bei Käse- und Ei-Ersatzprodukten Angebotslücken. Dies veranschaulicht, wo der Markt bereits weit entwickelt ist, sensorisch überzeugende Produkte liefern kann und die Verbraucher mit den Produkten vertraut sind. Weiter zeigt sich, dass pflanzliche Alternativen vor allem im häuslichen Alltag integriert werden, etwa beim Frühstück oder Abendessen, während sie bei besonderen Anlässen oder in der Außer-Haus-Verpflegung eine geringere Rolle BVLH spielen. Insgesamt weisen die Ergebnisse auf einen moderaten Wandel und nicht auf einen radikalen Verzicht von tierischen Produkten hin.

Ernährung zwischen Kulturgut und Alltagspraxis 

Betrachtet man das Ergebnis der Frage nach der Ernährung der Zukunft mit Blick auf das Angebot des Lebensmitteleinzelhandels, zeigt sich zum einen der Wunsch nach Sicherheit in Krisenzeiten und zum anderen die Zufriedenheit mit dem derzeitigen Angebot des Lebensmitteleinzelhandels. Als sehr wichtig empfinden 52 Prozent die Verfügbarkeit gewohnter Produkte und 32 Prozent günstige Preise. Sie besitzen eine höhere Priorität als die anteilsmäßige Repräsentation der Ernährungsempfehlungen im Sortiment, welche 16 Prozent als sehr wichtig einstufen. Es zeigt sich: Individualität, Mündigkeit und Wahlfreiheit unter Berücksichtigung von Qualität und Preis statt Vorgaben, deuten auf eine Koexistenz tierischer und pflanzlicher Erzeugnisse auf den Tellern hin. Die Realität im Konsum ist vielfältig, pragmatisch und weniger ideologisch, als es politische Diskussionen häufig vermuten lassen.

Autorin: Mara M. Lang

Dieser Fachartikel ist erschienen in der LP 02/2026 / (PDF-Download)