Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. (BVL)

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Zwischen wirtschaftlicher Bedeutung und nachhaltiger Verantwortung (LP-Fachartikel)

Palmöl ist ein wichtiger Rohstoff für viele Alltagsprodukte. Sein Anbau birgt bringt jedoch auch ökologische und soziale Risiken mit sich. Durch den Einsatz zertifizierten Palmöls übernimmt der Lebensmittelhandel Verantwortung und setzt sich für mehr Transparenz, Rückverfolgbarkeit sowie die Weiterentwicklung nachhaltiger Standards ein.

Palmöl und Palmkernöl werden im Energiesektor sowie in zahlreichen Alltagsprodukten eingesetzt, darunter Süß- und Backwaren sowie Kosmetik-, Wasch- und Pflegemittel. In den vergangenen Jahren ist die Palmölerzeugung stetig gestiegen. Im Jahr 2025 wurden rund 81 Mio. Tonnen Palmöl erzeugt, eine Steigerung um rund 29 Prozent gegenüber 2015 mit rund 63 Mio. Tonnen. Zu den Hauptanbaugebieten zählen Indonesien und Malaysia, die mehr als zwei Drittel des weltweit hergestellten Palmöls produzieren.

In Indonesien ist die Palmöl-Wertschöpfungskette durch eine hohe Konzentration in den nachgelagerten Verarbeitungsstufen gekennzeichnet. Millionen von Kleinbauerinnen und Kleinbauern liefern ihre Ölpalmenfrüchte an ca. 850 Ölmühlen, die Rohpalmöl und Palmkerne erzeugen. Die Weiterverarbeitung erfolgt in ca. 40 Raffinerien, die überwiegend zu wenigen vertikal integrierten Unternehmensgruppen gehören. Diese Konzerne kontrollieren häufig große Teile der Wertschöpfungskette – von der Plantage über die Ölmühlen und Raffinerien bis hin zum Export und internationalen Handel.

Herausforderungen des Palmölanbaus
Der Flächenbedarf für den Palmölanbau ist stetig gestiegen. Während 1961 weltweit noch 3,62 Mio. Hektar Land für den Ölpalmenanbau genutzt wurden, waren es im Jahr 2023 rund 29 Mio. Hektar. Die damit verbundenen Landnutzungsänderungen, vor allem aber die daraus resultierenden Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft sind daher viel diskutierte Themen in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit. Tatsächlich finden sich klare Gründe für eine Kritik an der Produktion von Palmöl: Ob Regenwaldabholzung, Ausstoß von CO2-Emmissionen oder Menschenrechtsverletzungen, die negativen Auswirkungen vom Palmölanbau sind vielfältig.

Eine Studie des WWF Deutschland kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass ein pauschaler Ersatz von Palmöl durch andere Pflanzenöle die ökologischen Probleme nicht automatisch lösen würde. Tropische Alternativen wie Kokos- oder Sojaöl weisen geringere Flächenerträge auf und benötigen mehr Anbaufläche. Umweltbelastungen könnten dadurch verlagert oder sogar verschärft werden.

Verantwortung des Handels in der Lieferkette
Um den ökologischen und sozialen Herausforderungen der Palmölproduktion wirksam zu begegnen, sind Unterstützung der nationalen und internationalen Politik, ein verlässlicher gesetzlicher Rahmen und die konsequente Durchsetzung bestehender Gesetze erforderlich. Gleichzeitig braucht es verantwortungsbewusste Akteure entlang der gesamten Lieferkette – von den Ölmühlen über die Raffinerien und die verarbeitende Industrie bis hin zum Handel.

Die Handelshäuser sind sich ihrer Verantwortung für palmölhaltige Eigenmarken bewusst. Obwohl der deutsche Lebensmitteleinzelhandel (LEH) am Ende der Palmöl-Lieferkette steht und den größten Hebel bei den vertikal integrierten Konzernen auf Ebene der Ölmühlen und Raffinerien in den Ursprungsländern sieht, engagiert er sich über die regulatorischen Berichtspflichten hinaus für einen rechtskonformen und nachhaltigen Palmölanbau. Ziel ist die Verbesserung der ökologischen, sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen in den Anbauländern.

Standards und Zertifizierungen für nachhaltiges Palmöl
Der LEH setzt sich für den Einsatz von zertifiziertem Palmöl bei palmölhaltigen Eigenmarken ein. Die Verwendung von zertifiziertem Palmöl orientiert sich unter anderem an den vom Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) anerkannten Zertifizierungssystemen. Das FONAP ist eine von der Bundesregierung unterstützte Multi-Stakeholder-Initiative. Zu den anerkannten Standards zählt auch der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), der vornehmlich bei den palmölhaltigen Eigenmarken des Handels genutzt wird. Einzelne Handelsunternehmen verlangen bereits seit 2018, dass das Palmöl in ihren Eigenmarken zu 100 % RSPO-zertifiziert ist.
Die Mitglieder des FONAP, darunter zahlreiche Handelsunternehmen, haben sich in einer öffentlichen Selbstverpflichtung dazu bekannt, ausschließlich nachhaltig zertifiziertes Palmöl, Palmkernöl sowie deren Derivate und Fraktionen in ihren Produkten einzusetzen. Darüber hinaus setzen sie sich für weitergehende Nachhaltigkeitskriterien ein.

Viele Handelsunternehmen sowie der Bundesverband des Lebensmitteleinzelhandels (BVLH) engagieren sich im FONAP, andere orientieren sich an dessen Selbstverpflichtungen. Gemeinsam werden bestehende Standards kontinuierlich weiterentwickelt. Die Weiterentwicklung von Standards ist ein Grund, warum zahlreiche Handelshäuser inzwischen dem RSPO angehören. Anfang 2026 haben FONAP und RSPO ihre Zusammenarbeit durch eine gegenseitige Mitgliedschaft vertieft. Damit soll der Austausch intensiviert und gemeinsame Initiativen erleichtert werden. Dies wird vom Handel ausdrücklich begrüßt.

Der RSPO-Standard verbindet Umwelt- und Sozialanforderungen zu einem integrierten Nachhaltigkeitssystem für die Palmöl-Lieferkette. Ziel ist es, zentrale Risiken der Branche – insbesondere Entwaldung, Biodiversitätsverlust, Klimabelastung und Menschenrechtsverletzungen – systematisch zu reduzieren.

Im Ergebnis wird deutlich, dass wirksame Lösungen nur gemeinsam entlang der gesamten Lieferkette und durch geeignete politische Rahmenbedingungen entwickelt und umgesetzt werden können. Der LEH übernimmt Verantwortung, indem er im Eigenmarkenbereich vielfältige Maßnahmen ergreift und so zu einer schrittweisen Verbesserung der ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen im Palmölsektor beiträgt.

Autor: Christian Mieles

Dieser Fachartikel ist erschienen in der LP 12/2026 / (PDF-Download)