Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. (BVL)

Druckversion der Seite:Detail

4.100 Produkte als Signal für heimische Wertschöpfung (LP-Fachartikel)

Die Herkunftskennzeichnung „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“ mit dem bekannten „Traktor-Logo“ schafft Transparenz, stärkt heimische Agrarrohstoffe und erleichtert informierte Kaufentscheidungen. Mit mehreren Tausend gekennzeichneten Produkten ist sie längst im Markt angekommen, ihr Potenzial jedoch noch nicht ausgeschöpft.

Eine Zahl als Orientierung: 4100 Produkte. So viele Eigenmarkenprodukte des deutschen Lebensmitteleinzelhandels tragen mittlerweile das Kennzeichen „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“. Die Zahl steht für einen Ansatz, der in einem offenen europäischen Binnenmarkt zunehmend an Bedeutung gewinnt: heimische Wertschöpfung sichtbar zu machen, ohne Märkte einzugrenzen. Verbraucherinnen und Verbraucher möchten heute mehr über die Lebensmittel erfahren, die sie kaufen. Neben Preis, Qualität oder Tierwohl gewinnt auch die Frage an Bedeutung, wo landwirtschaftliche Rohstoffe erzeugt wurden. Herkunftskennzeichnungen schaffen hier Orientierung und ermöglichen es, Informationen unmittelbar in die Kaufentscheidung einzubeziehen.

Transparenz statt Marktsteuerung
Gerade in einem gemeinsamen europäischen Markt ist Herkunft ein sensibles Thema. Freier Warenverkehr und offener Wettbewerb gehören zu den Grundprinzipien des Binnenmarktes. Herkunftskennzeichnungen verfolgen daher einen anderen Ansatz: Sie bevorzugen keine Produkte regulatorisch und schränken den Wettbewerb nicht ein. Stattdessen schaffen sie Transparenz und machen sichtbar, woher landwirtschaftliche Rohstoffe stammen. Genau darin liegt ihre Stärke. Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten zusätzliche Informationen, ohne dass Marktmechanismen verändert werden. Die Entscheidung bleibt am Ende beim Kunden. Herkunft steht dabei nicht allein für einen Produktionsort. Sie vermittelt Nahbarkeit, schafft Vertrauen in die Erzeugung und macht landwirtschaftliche Wertschöpfung greifbarer. Gerade in Kombination mit Vorstellungen von Qualität, Frische oder Nachhaltigkeit gewinnt Herkunft für viele Konsumentinnen und Konsumenten an Bedeutung.  

Der Handel als Treiber der Herkunftskennzeichnung
Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel hat die Bedeutung dieser Entwicklung früh erkannt und gemeinsam mit der Landwirtschaft die Herkunftskennzeichnung aktiv vorangetrieben. Mit der Zentralen Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL) wurde ein einheitliches System geschaffen, das Herkunft einfach, nachvollziehbar und verlässlich kommuniziert. Das Kennzeichen „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“ ist heute auf mehr als 4100 Produkten zu finden. Besonders stark vertreten ist es im Bereich Schweinefleisch. Gleichzeitig setzt der Handel damit ein klares Signal für die Sichtbarkeit heimischer Landwirtschaft und ihrer Wertschöpfungsketten. Gerade die Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels leisten hierzu einen wesentlichen Beitrag.

Das Rohstoffkennzeichen als nächster Entwicklungsschritt  
Die Entwicklung ist dabei nicht abgeschlossen. Mit dem Ausbau der Rohstoffkennzeichnung wird das System künftig deutlich erweitert. Dadurch können einzelne Zutaten wie Milch, Fleisch oder andere landwirtschaftliche Rohstoffe gezielt auch in verarbeiteten Lebensmitteln und Mischprodukten gekennzeichnet werden. Das eröffnet neue Möglichkeiten für mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungskette. Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten folglich nicht nur Informationen über das Endprodukt, sondern auch über die Herkunft zentraler Bestandteile. Gleichzeitig wächst damit die Zahl der kennzeichnungsfähigen Produkte deutlich über die bisherigen Anwendungsbereiche hinaus. Mit der Einbeziehung weiterer Rohstoffe und Produktgruppen wird die Herkunftskennzeichnung künftig in noch mehr Sortimenten sichtbar werden.

Mehrwert entsteht durch Kombination
Die Marktpraxis zeigt jedoch auch, dass Herkunft allein selten das ausschlaggebende Kaufkriterium ist. Ihre volle Wirkung entfaltet die Kennzeichnung häufig erst im Zusammenspiel mit weiteren Produkteigenschaften. Besonders deutlich wird dies bei Tierwohl. Die Kombination aus Herkunftskennzeichnung und Haltungsform ermöglicht es Verbraucherinnen und Verbrauchern, sowohl die Herkunft eines Produkts als auch die Bedingungen seiner Erzeugung einzuordnen. Ähnliche Synergien entstehen durch die Verbindung von Herkunft mit Qualitäts-, Nachhaltigkeits- oder Regionalitätsmerkmalen. Damit wird Herkunft nicht isoliert betrachtet, sondern Teil eines umfassenderen Informationsangebots am Regal. Die verschiedenen Kennzeichnungssysteme ergänzen sich und schaffen Orientierung in zunehmend komplexen Kaufentscheidungen.

Die Zahl „4100“ steht nicht nur für bereits gekennzeichnete Produkte, sondern für die erfolgreiche Etablierung eines Systems, das Handel, Landwirtschaft und Konsumenten und Konsumentinnen gleichermaßen verbindet. Gleichzeitig markiert sie keinen Endpunkt. Mit dem weiteren Ausbau der Rohstoffkennzeichnung und der Einbeziehung zusätzlicher Produktgruppen wird die Zahl der gekennzeichneten Produkte kontinuierlich steigen. Das nächste Etappenziel liegt bereits bei 5000 Produkten. Während die Eigenmarken des Handels die Herkunftskennzeichnung bereits breit nutzen, bleibt ihre Verbreitung bei vielen Herstellermarken bislang überschaubar. Hier liegt weiteres Potenzial, um die Sichtbarkeit heimischer Agrarrohstoffe auszubauen und Verbraucherinformationen noch stärker im Markt zu verankern.

Der Ausbau der mit dem Traktor gekennzeichneten Produkte zeigt, dass die Herkunftskennzeichnung in der Praxis funktioniert und von Verbraucherinnen und Verbrauchern angenommen wird. Mit dem Ausbau der Rohstoffkennzeichnung und einer breiteren Nutzung durch Markenhersteller kann dieser Ansatz künftig noch weiter an Bedeutung gewinnen. Herkunft sichtbar zu machen bedeutet letztlich, Transparenz zu schaffen und die Leistungen der heimischen Landwirtschaft dort sichtbar werden zu lassen, wo Kaufentscheidungen getroffen werden: am Regal.

Autorin: Laura Schönmeier

Dieser Fachartikel ist erschienen in der LP 11/2026 / (PDF-Download)