Gerade vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen an Transparenz, Nachhaltigkeit und Regionalität wird eines immer deutlicher: der kontinuierliche Dialog entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette ist von zentraler Bedeutung. Genau an dieser Stelle setzt die dreitägige Veranstaltung „Bauern treffen Händler. Händler treffen Bauern“ an, die bereits zum sechsten Mal Handelsnachwuchs und Junglandwirte zusammengebracht hat. Die food akademie Neuwied ist in Deutschland ein einzigartiges Aus- und Weiterbildungszentrum für den Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Aktuell studieren in Neuwied nahezu 1.500 Fachschulstudentinnen und -studenten berufsbegleitend zum/r Handelsfachwirt/in und zum/r Betriebswirt/in. Die Unternehmerschule in Vechta ermöglicht Junglandwirtinnen und Junglandwirten eine Doppelqualifikation zum/r Betriebswirt/in und zum/r Landwirtschaftsmeister/in. Ziel des Treffens ist es, junge Landwirtinnen und Landwirte sowie die Nachwuchsführungskräfte des Lebensmittelhandels zusammenzubringen, Verständnis für die jeweiligen Perspektiven beider Branchen zu schaffen und gemeinsame Lösungsansätze zu diskutieren. Denn nur, wenn alle Beteiligten der Lebensmittelwertschöpfungskette miteinander sprechen, lassen sich langfristig Wertschöpfung und unternehmerischer Erfolg sichern und weiterentwickeln.
Ein Blick auf die gesamte Kette
Der Auftakt führte die Teilnehmenden an zentrale Schnittstellen der Wertschöpfung heran. Auf dem Programm stand zunächst der Besuch der Organisation „Herkunftskennzeichen Deutschland“, die sich der transparenten Kennzeichnung von Lebensmitteln und der Koordination zwischen Handel und Landwirtschaft widmet. Geschäftsführer Peter Jürgens erläuterte den besonderen Netzwerkgedanken der beteiligten Handelsunternehmen, Verbände und Produzenten. In Deutschland wird das Herkunftskennzeichen derzeit von acht bekannten Lebensmittelhandelshäusern genutzt. Anschließend ging es zur Frutania GmbH nach Grafschaft-Ringen. Inhaber und Gründer Markus Schneider zeigte den Nachwuchskräften die enge Verzahnung von landwirtschaftlicher Erzeugung und Handel auf. Am Nachmittag begann in Neuwied die inhaltliche Vertiefung: Im Kompetenzzentrum Supermarkt der food akademie standen Vorträge zur Zukunft der Landwirtschaft sowie des LEH im Mittelpunkt. Anhand konkreter Beispiele – etwa der Geflügelproduktion in Deutschland oder der Wertschöpfung rund um die Sonnenblume – wurde aufgezeigt, wie komplex die Wege vom Feld bis ins Regal sind und welche Wechselwirkungen bestehen.
Regionales aus erster Hand
Der zweite Veranstaltungstag stellte die regionale Vermarktung in den Fokus. Unter dem Leitmotiv „Regionalmarke Eifel & mehr“ erlebten die Teilnehmenden verschiedene Stationen der Praxis. REWE-Kaufmann Falk Hundertmark zeigte den Nachwuchskräften in seiner Filiale in Polch, wie Regionalität am Point of Sale umgesetzt wird und welche Anforderungen dabei an Lieferanten und Logistik bestehen. Direkt daran schlossen sich Betriebsbesuche in der Landwirtschaft an: auf dem Lindenhof der Familie Zimmermann in Polch sowie dem Mendiger Geflügelhof Andres erhielten die Teilnehmenden Einblicke in moderne Produktionsabläufe und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen landwirtschaftlicher Betriebe Am Nachmittag wurden diese Eindrücke im Rahmen einer Podiumsdiskussion an der food akademie weiter vertieft. Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Handel und Regionalvermarktung diskutierten Möglichkeiten, die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette zu stärken und regionale Konzepte weiterzuentwickeln. Den Abschluss des Tages bildete ein gemeinsamer Abend mit regionalen Spezialitäten aus dem Westerwald – ein kulinarisches Beispiel für funktionierende Wertschöpfung vor Ort.
Handel und Logistik im Fokus
Am dritten Tag richtete sich der Blick gezielt auf den Lebensmitteleinzelhandel und seine Prozesse. Mit und durch die Lidl Regionalgesellschaft Koblenz stand zunächst der Point of Sale im Mittelpunkt: In einer Lidl-Filiale in Neuwied erhielten die Teilnehmenden Einblicke in Warenpräsentation, Abläufe und Kundenorientierung. Anschließend folgte der Besuch des Lidl-Zentrallagers in Koblenz. Hier wurde deutlich, welche zentrale Rolle Logistik, Effizienz und standardisierte Prozesse für den Handel spielen – und welche Anforderungen daraus für vorgelagerte Stufen der Wertschöpfung entstehen. Das Unternehmen Lidl fördert den Fachschüleraustausch mit einem Projektzuschuss in Höhe von 5.000 €.
Austausch als Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit
Die drei Tage zeigten eindrucksvoll, wie eng Landwirtschaft und Handel miteinander verflochten sind. Beide Seiten stehen vor vergleichbaren Herausforderungen: steigende Kosten, hohe Anforderungen an Nachhaltigkeit und Tierwohl sowie wachsende Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Formate wie „Bauern treffen Händler. Händler treffen Bauern“ schaffen die notwendige Basis, um diese Themen gemeinsam anzugehen. Sie fördern Transparenz, bauen Vorurteile ab und stärken persönliche Netzwerke. Gerade für den Branchennachwuchs ist dieser ganzheitliche Blick auf die Wertschöpfungskette ein entscheidender Baustein für die Zukunft. Klar ist: Dialog ist eine zentrale Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz der gesamten Lebensmittelwirtschaft – vom Feld über das Marktregal und bis auf die Teller der Verbraucherinnen und Verbraucher. Fortsetzung folgt! ◾
Autorin: Frederic Wagner
Dieser Fachartikel ist erschienen in der LP 09/2026 / (PDF-Download)
